Elektroroller - GUF Geco 42

Testbericht

Geco42 in FahrtDer Geco 42 ("for two"=Zweisitzer) ist ein wirklich großer eRoller, Platz für die Beine im Überfluss. Solide verarbeitet und ein ungewöhnliches Äußeres, aber recht schwer im Vergleich zu seinen Benzinbrüdern. Stabiler Gepäcksträger.


Hersteller/Importeur


Der Geco 42 wird von der Firma GUF (Gesellschaft für umweltbewußte Fortbewegung) in Schelklingen (Deutschland) importiert. Im Jahre 2003 auf einer Asienreise entdeckt, hat die Firma GUF den Geco 42 nach Deutschland geholt, adaptiert und für eine EU-Betriebserlaubnis gesorgt. Seitdem wird der Geco42 in Europa verkauft. Zur Zeit (September 2008) ist der Geco42 ausverkauft und wird durch seinen Nachfolger, der wahrscheinlich Ende 2008 auf den Markt kommen wird, ersetzt. Da noch einige eRoller dieses Typs bei Händlern stehen und sich auch Gebrauchtrollerkäufer für dieses Modell interessieren, haben wir diesen Testbericht veröffentlicht (besser spät, als gar nicht!).


Technische Daten (Herstellerangaben !)
Motor: Bürstenloser DC-Motor, 48 V, 2400 W, Variomatik
Batterie: 4x12 V, Bleiakku, 50 Ah
Bremse: vorne Scheibe, hinten Trommel
Leergewicht: 140 kg
Gesamtgewicht: 320 kg
Geschwindigkeit: reduziert auf 45 km/h (original 60 km/h)
Reichweite: 70 km bei 30 km/h !!!
Steigfähigkeit: 15%


Geco42 stehend in Wiese Mit dem Geco 42 unterwegs - Fahrverhalten

Der erste Eindruck war ja schon mal ganz positiv, aber wie sich der Roller in der Praxis bewährt, werden wir gleich sehen. Einmal auf dem Geco 42 Platz genommen, hat man das Gefühl auf einem echten "Großroller" zu sitzen. Bei dem fast 2m großen Testfahrer ist das ein ganz wichtiger Umstand. Nach dem Umdrehen des "Zündschlüssels" (Ignition, steht auf dem Zündschloss) meldet der Bordcomputer mit einer kurzen Folge von recht lauten Tönen seinen Dienstantritt.

Alle wichtigen Funktionen von Motor und Steuerung werden in wenigen Sekunden getestet und erst dann ist der Geco bereit.Geco42 bei einer Nachtfahrt Dreht man nun ganz vorsichtig am Gasgriff, hört man wie der eMotor seine Arbeit aufnimmt. Aber noch bewegt sich der Roller nicht. Das verhindert eine Kupplung im Antriebsstrang. Gibt man mehr "Gas", greift die Kupplung und der Geco setzt sich in Bewegung. Das sanfte Anfahren, verursacht durch Kupplung und Variomatik-Getriebe am Hinterrad, hat sicher einen schonenden Einfluss auf den Motor, ist aber ungewohnt, wenn man den direkten Antritt eines Radnabenmotors gewohnt ist. Sicherer ist das sanfte Anfahren allemal, wenn man versehentlich bei eingeschalteter Zündung am Gasgriff dreht. Bei einem Radnabenmotor kann der Roller schon mal einen "Sprung" nach vorne machen und seinen "Reiter" abwerfen oder sich führerlos ins Abseits rollen.

Das Cokpit des Geco 42 Der "42" beschleunigt recht flott aus dem Stand, wenn man bedenkt, dass der eRoller inklusive Fahrer (85 kg) 245 kg auf die Waage bringt. Zu hören ist nur das etwas lauter werdende Geräusch des Getriebes am Hinterrad. Aber auch bei 30-35 km/h Geschwindigkeit spürt man einen "Schub", wenn man Vollgas gibt. Das Fahrverhalten ist als unkompliziert zu bezeichnen. Der Geradeauslauf ist gut und auch in den Kurven bei angemessener Geschwindigkeit verhält sich der Roller sehr sicher. Beim Fahren auf unebenem Untergrund, wie "geflickten" Straßen und Feldwegen machen sich die nur 10 Zoll großen Räder negativ bemerkbar. Man wird durchgeschüttelt und durchschlagende Federbeine lassen einen die Geschwindigkeit freiwillig reduzieren. Das ist aber ein Problem, dass fast alle Roller dieser Klasse betrifft. Die Feder/Dämpferelemente vorne und hinten sind sicher nicht das gelbe vom Ei. Würde man diese gegen italienische oder deutsche Fabrikate ersetzen, dann könnte man die Feder- und Dämpfungseigenschaften deutlich verbessern. Auf normalen Straßen ist aber das lautlose Dahingleiten ein ganz besonderer Genuss und macht auch noch jede Menge Spaß.

Der Geco42 in Fahrt von vorne Seine Stärken zeigt der Geco 42 am Berg. Er zieht unbeirrt fast jede Steigung hinauf, egal ob solo oder zu zweit besetzt. Die Geschwindigkeit geht zwar dabei etwas herunter, aber man hat nie das Gefühl, "schieben" zu müssen. Hier hat zweifellos das Variogetriebe am Antriebsrad gewisse Vorteile gegenüber einem Radnabenmotor.
Fahren im Regen ist für den Geco42 Fahrer ein "Vergnügen". Sehr guter Wetterschutz im Beinbereich und ein hervorragender Spritzwasserschutz am Hinterrad (verhindert ein Naßspritzen des Rückens) halten den Fahrer relativ trocken. Einzig die aufwändige Elektronik quitiert längere Regenfahrten mit Leistungsverlust bei gleichzeitigem Aufleuchten einiger Warnleuchten. Aufgefallen ist, dass unser Testfahrzeug eine recht hohe Endgeschwindigkeit von über 50 km/h hat. An dieser Stelle sollte man die sehr genaue Tachoanzeige (+ 1-2 km/h) des Geco 42 erwähnen. Der Kilometerzähler wurde mit einem GPS-Gerät verglichen. Bei 21,4 GPS-km waren es am Geco-Tacho 23 km. Mit dieser Geschwindigkeit lassen sich natürlich auch größere Entfernungen recht flott bewältigen. Schwierig wird es nur, wenn man mit batterieschonenden 40 km/h unterwegs sein will. Ständig erwischt man sich dabei, dass die Tachonadel wieder über die 50 km/h-Marke klettert.
Und wie schaut es mit der Reichweite aus?
Der Hersteller gibt etwas kryptisch an, man komme 70 km weit bei Tempo 30. Nun kann man mit dieser Angabe nicht wirklich etwas anfangen. Um es aber kurz zu machen, wir haben es nie geschafft, ob langsam ober schnell, mit unserem Test-Geco über 20 km weit zu kommen. Bei Vollgas waren es nur 15 km! Es scheint laut Auskunft von GUF einige Geco 42 zu geben, bei denen sich die Summe einiger schlechter Fertigungstoleranzen im Antriebsstrang derart auf die Reichweite auswirkt. Die genaue Ursache gibt aber auch dem Importeur GUF Rätsel auf und eine Reparatur ist aus diesem Grund nicht möglich. GUF flüchtet sich von einer Ausrede zur nächsten obwohl ihnen klar ist, dass der Geco42 einfach nicht zu mehr Reichweite fähig ist. Das bekommt man bestätigt, wenn man mit anderen Gecofahrern Kontakt aufnimmt, die ähnliches berichten.


Sicherheit
Scheinwerfer des Geco42
Das wichtigste Sicherheitsmerkmal bei einem 140 kg schweren Roller sind die Bremsen. Im Vorderrad drückt ein Bremskolben auf eine gelochte Scheibe. Die Bremswirkung ist absolut in Ordnung, die feine Dosierung erlaubt das ausschließliche Bremsen mit der Vorderradbremse. Nur bei längeren Bergabfahrten sollte man die hintere Trommelbremse, die ebenfalls eine hervorragende Bremswirkung an den Tag legt, benutzen um die vordere zu entlasten. Der Elektromotor hat wie die meisten Roller keine Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung) und bremst daher bei Bergabfahrten auch nicht elektromagnetisch ab. An der Bremswirkung bei Regen gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Der Geco 42 hat einen Schalter für Licht ein und Licht aus. Über ein Standlicht verfügt der Geco nicht.Vorderrad mit Bremse des Geco42 Dafür befindet sich in der vorderen Verkleidung ein runder, nicht allzu großer Doppelscheinwerfer. Die Ausleuchtung in der Breite und in der Weite ist nicht überragend und entspricht nicht unbedingt den Anforderungen eines modernen eRollers. Der Geco 42 ist von seiner Konstruktion her schon ein paar Jahre alt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Beleuchtung nicht auf dem neuesten Stand ist. Dafür kann man die Scheinwerfer von außen einstellen und auch zum Wechseln der Birnen im Frontscheinwerfer braucht man kein Werkzeug, sie sind gut zugänglich. Alle anderen Sicherheitsmerkmale sind hervorragend. Rücklicht, Schalter für Licht und Blinker, Rückspiegel, Reflektoren und auch der Platz für die Füße des Sozius ist ausreichend.


Ausstattung/Design
Abstand Sitz zu Lenkstange Geco42
Der Geco 42 wird von der Firma GUF nur in schwarz ausgeliefert. Das ist teilweise auch mit dem recht günstigen Preis zu erklären.
Wie schon des öfteren erwähnt, hat der Geco 42 für seine Größe extrem viel Platz. Zwei Erwachsene haben es sehr komfortabel und können, wenn sie wollen auch noch eine Kiste Bier zwischen vorderer Verkleidung und Sitzbank mitnehmen. Der Abstand von der Verkleidung zur Hinterkante der Sitzbank beträgt 98cm und zwischen Frontverkleidung und Sitzbank sind es unglaubliche 40cm!
Das allgemeine Design des Geco 42 wird oft als bieder bezeichnet. Meiner Meinung nach besticht der "42" durch sein schlichtes, aber durchaus elegantes Design. Er kann und will sich auch nicht mit dem poppigen Aussehen anderer Roller messen und wird gerade deshalb auch gerne von “reiferen” Rollerfahrern geschätzt. Akkukasten des Geco42Ein Vorteil des Geco-Design ist der niedrige Schwerpunkt, der durch die Akkus im Rollerboden herbeigeführt wird. Ein anderer schöner Nebeneffekt ist das eingebaute Ladegerät. Sitzbank auf, Kabel raus und anstecken. Bei auswärtigem Laden empfiehlt es sich ein 5m Verlängerungskabel mitzunehmen, man kann ja nie wissen!

Ein wichtiges Ausstattungsmerkmal des Geco 42 ist sein Bordcomputer. Dieser checkt nicht nur das System vor dem Start, sondern er schützt auch den Motor vor Überhitzung bei extremen Bergfahrten (steil, lang, 2 Personen,….). Hier könnte es vorkommen, dass dem Motor etwas "warm" wird und dann regelt der Kontroller die Antriebsleistung herunter. Helm unter der Sitzbank beim Geco42Es könnte auch mal vorkommen, dass man "Zündung" und Licht eingeschaltet lässt. Nach einigen Minuten regt sich der Bordcomputer durch lästiges Piepsen fürchterlich auf. Also besser abschalten. Das Armaturenbrett passt sehr gut zum Geco. Es ist übersichtlich und gut ablesbar. Nur die Bedeutung der vielen Kontrollleuchten merkt sich niemand, aber das ist nicht so wichtig. Das Blinkrelais ist recht laut, was einem hilft, das Rückstellen des Blinkers nicht zu vergessen. Aufgefallen ist auch, dass die Schalter am Lenker leichtgängig und sauber einrasten. Dafür könnten die Lenkergriffe etwas dicker sein, man sitzt ja nicht auf einem Fahrrad!
offener Getriebekasten Geco42 Die Hinterradschwinge des Geco ist wie bei den meisten Benzinrollern eine zweigeteilte Druckgußeinarmschwinge mit einem Federbein. Zum Ausbau des Hinterrades braucht man nur eine Mutter zu lösen und man kann das Rad schon abziehen. Leider ist diese Konstruktion nicht ganz wartungsfrei. Fliehkraftkupplung, Antriebsriemen und das Öl im zweistuftgen Stirnradgetriebe sind Verschleiß ausgesetzt und müssen in vorgeschriebenen Intervallen gewechselt werden. Ebenso würden dem Geco 42 Aluspritzgußfelgen besser stehen als die geschweißten Stahlfelgen, die dem zu erwartetem Rostbefall weniger entgegen zu setzen haben. Die Kabelverlegung im Geco macht einen "wirren" Eindruck. der Kontroller des Geco42Überall hängen Steckverbindungen herum. Etwas aufgeräumter könnte die Kabelverlegung schon sein!
Unter der Sitzbank befindet sich, wie bei allen Rollern, ein Stauraum. Einen Integralvollvisierhelm haben wir knapp nicht unter die Sitzbank bekommen, aber ein rollertypischer Jethelm mit Vollvisier hat Platz. Das Kabel vom Ladegerät steckt man zu diesem Zweck einfach in den Helm. Will man mit dem Geco mehr transportieren, so bietet der robuste Gepäckträger die Möglichkeit, ein Topcase zu befestigen. Nun ja, zwischen Frontverkleidung und Sitzbank ist auch noch einiges an Platz für Taschen usw. Aber wir sollten nicht übertreiben, denn unser Geco soll ja nicht den Familienkombi beim Wochenendeinkauf ersetzen!


Fazit
sogar ein Bierkasten hat Platz auf dem Geco42
Unter der Voraussetzung – der Geco 42 leidet nicht wie unser Testfahrzeug an chronischem Reichweitenmangel – ist dieser eRoller ein hervorragendes Fahrzeug. Während ein Radnabenmotor Vorteile bei höheren Drehzahlen hat, kann die komplizierte Antriebseinheit beim Geco die höheren Reibungsverluste durch gute Beschleunigung und die Bergfahrten wettmachen. Negativ bemerkt werden will der höhere Wartungsaufwand in Vergleich zu anderen eRollern, der aber immer noch gering im Vergleich zu Benzinrollern ist. Preislich war der Geco 42 im Jahr 2007 knapp unter 2000 Euro zu haben, für den Geco 2 musste man dann 2 Jahre später 2300 Euro berappen.


Ergänzend...


Pro Geco42: Ausreichend Platz, ein solider Aufbau und gute Fahrleistungen sprechen für den Geco 42.

Was gegen den Geco42 spricht ist sein Importeur GUF. Die haben es gewagt einen Elektroroller zu verkaufen, der weit hinter den Versprechungen und Erwartungen, was Reichweite betrifft, zurück bleibt. Kein Entgegenkommen und leere Versprechungen haben unsere anfangs positive Einstellung GUF gegenüber ins Gegeteil verändert.
Unser Geco42 hatte nach 3 Jahren wegen der geringen Reichweite lediglich 3000 km gefahren. Durch einen Zufall haben wir entdeckt, dass die Reifen unseres Geco 11 Jahre alt waren!!! Zum Kaufzeitpunkt waren sie also 8 Jahre alt!!! Wir haben GUF gebeten uns wenigstens einen Satz neue Reifen zukommen zu lassen. Wieder wollte sich GUF durch Ausreden seiner Verantwortung entziehen. Dann haben wir festgestellt, dass die vorderen Bremsbacken total abgenutzt waren. Eigentlich unmöglich nach 3000 km im Flachland!!!! GUF wollte 35 Euro für die Bremsbacken haben. Daraufhin haben wir jeden Kontakt zu GUF abgebrochen.

Unsere Empfehlung: Finger weg von der Firma GUF !!!

Was kann man mit dem "unbrauchbaren" Geco42 machen? Da gibt es 3 (bzw 4 Möglichkeiten, wenn man Wegwerfen mit in Betracht zieht!):

(1) Reichweitenerhöhung durch den Einsatz von Lithium Ionen Akkus. Das ist zwar die einfachste, aber auch die umwelttechnisch unsinnigste Methode. Denn der doppelt so hohe Stromverbrauch im Vergleich zu ähnlichen eRollern bleibt und das ist keine Lösung!

(2) Umbau: Austausch eMotor, Kontroller, feste Zahnriemenübersetzung statt CVT-Getriebe, neue Antriebsachse, Anpassung an die Bordelektrik,…
Diese Lösung bringt die erwartete Reichweite (ca. 40 km), eine "gute Endgeschwindigkeit" und die Möglichkeit der Bremsenergierückgewinnung, je nach verwendetem eMotor und Kontroller, ist aber sehr aufwändig und vor allem auch recht teuer.
fester Zahnriemen statt CVT-Getriebe im Geco42neu
(3) Einen Radnabenmotor inkl. Kontroller aus einem gebrauchten oder Unfall-eRoller mitsamt der neuen Schwinge und den beiden Stoßdämpfern einbauen. Anpassung an die Bordelektrik. Auch viel Arbeit, aber nicht so teuer. Gute Reichweite, keine Rekuperation, aber geringere Endgeschwindigkeit würde erreicht.

Egal was sie mit ihrem Geco42 vorhaben, er ist im Fahrbetrieb ein ausgezeichneter Elektroroller.

Bericht: Gerald Harbusch (2010-2012)
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