Elektroroller

kleine Fahrzeuge, grosse Wirkung ?

Seit dem Jahr 2008 gibt es auch bei uns in Österreich immer mehr elektrisch angetriebene Roller zu kaufen. Elektroroller sind eigentlich eine wunderbare Sache. Es gibt sie als klassische 45 km/h Mopeds, aber auch in der schnelleren "125er" Variante. Die meisten sind mit 4 Stück Bleiakkus ausgerüstet und als Antrieb hat sich der Radnabenmotor im Hinterrad durchgesetzt.  Einige recht teure Exponate sind auch mit Lithium-Ionen-Akkus ausgerüstet.

Das Herzstück der Elektroroller ist nicht, wie man vielleicht annehmen würde, der Motor, sondern der Akku. Die Batterien haben den größten Einfluss auf Reichweite, Beschleunigung, Endgeschwindigkeit und Kosten (über die Akkuhaltbarkeit).
Auf die Problematik Akku wird in einem eigenen Bericht eingegangen.

Elektrorollerproduktion in China

Vorteile der Elektroroller:
+ fast lautlos bis auf das Reifenabrollgeräusch
+ keine Abgase im Betrieb
+ sehr geringer Energiebedarf
+ sehr einfache Bedienung, keine Kupplung
+ keine Startprobleme, wie beim Moped
+ kein Öl im Fahrzeug
+ sehr geringer Wartungsaufwand (Reifenluftdruck!)
+ an jeder 220V Steckdose aufladbar
+ ideal in Städten und näherem Umland
+ sehr umweltfreundlich

Nachteile:
- Reichweite max. 30-40 km (bei 25 Grad Aussentemperatur)
- Aufladen dauert 4-6 Stunden
- Höchstgeschwindigkeit oft kleiner als 45 km/h
- etwas höheres Gewicht als Benzinroller
- Akkuprobleme können frühzeitig auftreten
- Akkupflege auch im Winter notwendig

Vespa Plakat
Gerade in Italien, dem Land der Vespas, verursachen laute und stinkende Benzinroller (meist Zweitakter!) so große Umweltprobleme, sodass in manchen Städten bereits Fahrverbote für Roller gelten. Im urbanen Raum sind rollerartige Zweiräder die perfekten Fortbewegungsmittel. Und genau hier spielen Elektroroller ihre Stärken aus: fast lautlos, kein Gestank und Qualm und keine Ölflecken am Asphalt.

Elektroroller, die perfekten Fahrzeuge !?
Teils, teils, aber fangen wir ganz vorne an:
In Europa gibt es eigentlich keine Produzenten von Elektrorollern (2008). Wir haben, auch in Österreich, nur Importeure, die diese Fahrzeuge aus China holen und bei uns verkaufen. Es sind vor allem kleinere und recht junge Unternehmen, die den Markt mit eRollern bedienen.

In China selbst werden jedes Jahr einige Millionen Elektroroller produziert. Der Löwenanteil ist natürlich für den chinesischen Binnenmarkt bestimmt. Die Qualität reicht von sehr gut bis zu Fahrzeugen, die nach wenigen 100 km auseinander fallen. Das gleiche gilt auch für Zulieferteile wie Akku, Motor, Elektronik, usw. Man kann gut erkennen, dass es als Importeur gar nicht so leicht ist die Spreu vom Weizen zu trennen. Hier den Überblick zu behalten und an den oder die richtigen eRoller zu gelangen ist nicht ganz einfach. Und selbst dann, wenn man ein solides Fahrzeug gefunden hat, kann es passieren, dass man einen Container voll Elektroroller bekommt in dem doch nicht das drin ist, was man bestellt hat. Ein anderes weit verbreitetes Problem chinesischer Produktionskunst sind die extrem großen Qualitätsunterschiede in einer eRollerserie. Das hängt auch wieder von der Qualität der Zulieferteile ab.

Fabrikhalle in China Unser Verein hat selbst Erfahrung mit dem eRoller vom gleichen Typ gemacht. Bei dem einen funktioniert die Vorderbremse schlecht und die Hinterradbremse ist sehr gut, beim anderen ist es genau umgekehrt. Und das setzt sich bei allen Teilen fort. Durchgängig geringe Fertigungstoleranzen, wie wir das in Europa eigentlich gewohnt sind, findet man im Bereich der Elektroroller in China scheinbar nicht oder die chinesische Produktion ist noch nicht so weit.  Es kann aber auch sein, dass die Importeure der eRoller eine Teilschuld haben. Die kaufen in China eher billigere Fahrzeuge, weil man will am Ende eine entsprechend große Gewinnspanne haben.
Ganz einfach: Wenn wir wenig Geld für Elektroroller ausgeben wollen, kauft der Importeur billig ein und die chinesische Firma produziert billig und kauft auch billigere Komponenten ein!

Es gibt aber auch Ausnahmen:
Als Beispiel sei hier die deutsche Firma Innoscooter und die österreichische Firma IO-Scooter genannt. Sie kaufen zwar auch chinesische Massenware, versuchen aber durch verbesserte Ladetechnik bzw. Ladegeräte und/oder Motorsteuerungen die Qualität zu erhöhen.  Und das macht sich sicher bezahlt.
Einen anderen Weg geht die Firma e-max Germany. Deren Roller werden im Deutschland und Italien entwickelt und unter deutscher Kontrolle in China gefertigt. Dadurch ergibt sich zwar ein höherer Verkaufspreis, aber auch ein ganz anderes Qualitätsniveau.
Eine andere Ausnahme ist die deutsche Firma GUF, die schon einige Jahre im Geschäft ist. Anfangs hat GUF ihre eRoller aus Taiwan importiert. Mittlerweile setzt die Firma bei immer mehr Modellen auf Eigenproduktion in Deutschland und das zu absolut fairen Preisen.  Hat man aus Fehlern gelernt?

Konsumenteninformation:


Billige Elektroroller aus dem Internet
Es sind vor allem kleine Firmen und auch Ein-Mann-Betriebe, die ihre Chance sehen, gutes Geld (vielleicht auch "schnelles Geld") mit Elektrorollern zu verdienen. Es ist leider schon vorgekommen, dass eine Firma, ein oder zwei Container eRoller aus China importiert und diese dann sehr günstig über das Internet verkauft. Oft sind die Importeure nicht einmal selbst in China gewesen und haben sich vor Ort Modelle angeschaut und getestet. Wenn der letzte eRoller verkauft ist, aber spätestens ,wenn die ersten Reklamationen anstehen, ist die Firma vom Markt verschwunden.
Daher würden wir raten, keine Billigangebote aus dem Internet von fragwürdigen Anbietern zu kaufen. Ein Händler, der nicht die Möglichkeit bietet einen Elektroroller probezufahren oder die Selbstabholung untersagt, ist nicht seriös. Außerdem sollte der Händler einen Importeur nennen können, dann sieht man, wer hinter den Fahrzeugen steht. Hat er die Elektroroller selbst importiert, so sollte man sich den Händler sehr genau anschauen, denn spätestens bei der Gewährleistung würde man sonst durch die Finger schauen. Hände weg von Händlern, die keine Ersatzteile anbieten und auch keine Ersatzteilpreise nennen können!
Übrigens, bei eRollern unter 2000 Euro ist die Wahrscheinlichkeit einen guten, soliden Roller zu bekommen gleich Null.
(Jahr 2009)

Elektroroller - Boom?

Anfänglich, als plötzlich alle Elektrofahrzeuge medial in den Himmel gehoben wurden und alle von einem beginnenden Elektroboom in der Mobilität gesprochen haben, konnte man auch annehmen, dass Elektroroller auf einen breiten Absatzmarkt treffen würden. e-max eScooterEine Zeit lang (im Jahr 2008/2009) sah das auch wirklich so aus. Fast überall konnte man eRoller, die umweltfreundlichen Wunderwerke kaufen; vom Lebensmitteldiskounter über Baumärkte bis zum echten Fachhändler und was da dazwischen liegt (Internet und "Hobbyhändler").
Doch heute sieht die Sache ganz anders aus. Elektroroller sind im Alltagsgeschehen reine Exoten. Die vielen Verkausfstellen sind zurückgegangen, die eRoller haben sich nicht so verkauft wie erwartet. Übrig geblieben (Jahr 2011)sind einige solide Firmen, wie die erwähnten Innoscooter, IO-Scooter, e-max und auch SolarMobil, um nur einige zu nennen. Teilweise hat sich die Modellbreite etwas verkleinert, aber man versucht mit Qualität und auch mit dem Gütesiegel "Germany" zu punkten.

Aus unserer rein subjektiven Sicht hat die geringe Verbreitung der Elektroroller folgende Gründe:


1) Die Reichweite ist den meisten eRoller-Kunden zu gering.innoscooter em2500
Dazu muss man bemerken, dass fast alle Händler mit Reichweiten von 50, 60 und sogar 70 km bei Blei-Akku-eRollern geworben haben. Das ist grober Unsinn. Diese eRoller haben eine praktische Reichweite (bei 20-25 Grad Außentemperatur)von 30-max.40 km ohne den Akku zu schädigen. Bei kalten Temperaturen (0-10 Grad) geht dann diese Reichweite noch einmal zurück! Zum einen sind die Käufer sehr enttäuscht, wenn sie einen Roller mit 60 km Reichweite kaufen, und er dann um ein Drittel weniger weit fährt, und zum anderen sind vielen die echten Reichweiten dann doch zu wenig.

2) Der Preis für Lithium-Ionen-eRoller, die eine bessere Reichweite haben (ca. 60-80 km) sind einfach zu hoch. Abgesehen davon hat ein Lithium-Ionen-Roller bei Temperaturen unter Null Grad auch mit Kapazitätsverlust zu kämpfen, weil der Akku sehr tiefe Temperaturen nicht mag. Eine Ausnahme könnten hier Lithium -Eisen-Yttrium-Phosphat-Akkus sein. Die sollen auch bei tiefen Temperaturen noch akzeptable Werte liefern. (Jahr 2013)

3) Es hat, und das gilt auch heute noch, (fast) keine fachgerechten Werkstätten gegeben, die mit den Problemen der Elektroroller etwas anfangen konnten. Die meisten Firmen haben nur verkauft und der Kunde musste sich Ersatzteile, neue Akkus, usw. sofern er sie bekommen hat, selbst einbauen. Auch renomierte Fahrrad- und Mopedwerkstätten haben keine Ahnung von Akkutechnik und Verhalten derselben beim Überwintern, beim Tiefentladen usw. Die Käufer, die heute (noch immer) einen Elektroroller fahren, kennen sich bei ihrem Fahrzeug oft besser aus als die Werkstatt.
Daher: ElektroRoller sind nichts für Leute die keine Ahnung davon haben und nur fahren wollen!

Elektroscooter Geco 2
Wir sind ja überzeugt, dass etliche Elektroroller in diversen Garagen herum stehen, weil sie nicht mehr fahren und keiner bereit ist noch mehr Geld in zB. neue Akkus zu investieren, die dann in Unkenntnis der richtigen Behandlung dieser Energiespeicher (fahren bis der Roller steht,....) gleich wieder kaputt sind.

Elektroroller sind sehr umweltfreundliche Fahrzeuge, die den Haushaltsstrom nicht sehr belasten, aber es ist noch viel zu tun damit mehr von diesen eRollern über unsere Straßen fahren. Wir werden uns bemühen dazu einen kleinen Beitrag zu leisten.


Bericht: Gerald Harbusch (2009)

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